Kompressionsstrümpfe ausziehen: so wird der Abend leichter
Kompressionsstrümpfe ausziehen ohne Kraft und ohne Bücken: die Technik Schritt für Schritt, passende Ausziehhilfen und was Du dem Gestrick dabei ersparst.

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Über das Anziehen von Kompressionsstrümpfen ist viel geschrieben worden, über das Ausziehen fast nichts. Das Anziehen ist meist der schwierigere Teil, trotzdem kämpfen viele abends auch beim Ausziehen.
Über den Tag können die Beine etwas anschwellen, dann sitzt der Strumpf abends straffer, und wer sich zu schnell bewegt, kämpft eher. Wer morgens gut zurechtkommt und abends kämpft, macht nichts falsch.
Stand: Oktober 2026. Die Quellen sind unten verlinkt.
Auf einen Blick
- Abrollen, nicht ziehen. Zerren am Strumpf kann das Gestrick beschädigen.
- Handschuhe helfen auch abends. Sie sind kein reines Anziehwerkzeug.
- Für abends gibt es eigene Hilfen. Anziehgestelle sind vor allem fürs Anziehen gedacht. Fürs Ausziehen gibt es Ausziehstäbe, und manche Gleiter funktionieren in beide Richtungen. Sie können ärztlich verordnet werden.
- Nie über Nacht anlassen, außer Deine Ärztin oder Dein Arzt hat es ausdrücklich so besprochen.
- Abends waschen. Schweiß und Schmutz greifen sonst das Material an.
Die Technik
Für die Gegenrichtung: Kompressionsstrümpfe anziehen.
1. Bequem hinsetzen. Ein stabiler Stuhl oder die Bettkante. Nichts Weiches, sonst rutschst Du beim Ziehen weg. Wenn Du Handschuhe hast, zieh sie an. Sie geben auch hier Grip und schonen das Gestrick.
2. Bund umschlagen. Greif mit beiden Daumen von innen unter den oberen Rand und schlag ihn nach außen um. Du drehst damit den obersten Teil des Strumpfes auf links.
3. Nach unten abrollen. Jetzt rollst Du mit beiden Händen von außen nach unten ab, rundherum gleichmäßig, nicht nur vorne. Der Strumpf wird dabei Stück für Stück umgestülpt, ähnlich wie beim Anziehen, nur in die andere Richtung.
4. Über die Ferse lösen. Der letzte Teil geht über die Ferse und dann vom Fuß. Hier ist die Versuchung am größten, einfach an der Spitze zu zerren. Tu es nicht: Ziehen am Strumpf selbst kann den Stoff beschädigen. Schieb ihn lieber gleichmäßig und nicht in einem Ruck über die Ferse.
Wenn der Strumpf an der Ferse hängt, hilft es, das Knie anzuwinkeln und den Fuß leicht zu strecken.
Wenn Bücken das Problem ist
Für alle, die abends nicht mehr gut an den Fuß kommen, gibt es Ausziehhilfen. Sie sind unspektakulär und werden selten erwähnt, obwohl sie ein reales Problem lösen.
| Hilfsmittel | Wie es funktioniert |
|---|---|
| Ausziehstab | Ähnlich einem langen Schuhlöffel: Du schiebst den Strumpf damit nach unten bis über die Ferse. |
| Kombigeräte | Manche Hilfen funktionieren in beide Richtungen, etwa Gleiter für An- und Ausziehen. |
Wichtig zu wissen: Ein Strumpfanzieher ist vor allem fürs Anziehen gedacht. Fürs Ausziehen gibt es eigene Hilfen, und manche Gleiter funktionieren in beide Richtungen. Frag im Sanitätshaus, was zu Deinem Strumpf passt.
Lass Dir die Hilfen im Sanitätshaus zeigen und probier sie dort mit Deinem eigenen Strumpf aus.
Auf Rezept: Wer schlecht an die Füße kommt, sollte laut Leitlinie geeignete An- und Ausziehhilfen verordnet bekommen, auf einem eigenen Rezept. Du zahlst dann die gesetzliche Zuzahlung.
Was Du dem Gestrick dabei ersparst
Wie lange ein Strumpf hält, hängt laut Leitlinie davon ab, wie Du ihn pflegst, anziehst und ausziehst:
- Zerren am Strumpf kann den Stoff beschädigen.
- Fingernägel und Ringe können das Gestrick beschädigen. Leg Schmuck und Uhr vorher ab.
- Gleichmäßig statt ruckartig: Zieh den Strumpf gleichmäßig und nicht in einem Ruck herunter.
Wer abends zwei Minuten mehr investiert und sauber abrollt, schont das Gestrick.
Direkt danach
Zwei Dinge, die zusammengehören:
Ab in die Wäsche. Wasch den Strumpf am besten jeden Abend nach dem Ausziehen, Schweiß und Schmutz greifen sonst das Material an. Mehr dazu: Kompressionsstrümpfe waschen.
Beine eincremen: jetzt, nicht morgens. Wenn Du pflegende Creme benutzt, ist der Abend der richtige Zeitpunkt. Über Nacht zieht sie ein. Morgens vor dem Anziehen aufgetragen, wandert sie ins Gestrick und macht das Anziehen zusätzlich schwer.
Wenn es abends gar nicht mehr geht
Manchmal liegt es nicht an der Technik und nicht an der Tageszeit. Wenn ein Strumpf sich abends kaum lösen lässt, obwohl Du sauber abrollst und ein Hilfsmittel nutzt, lohnt der Blick auf die Passform. Umfänge verändern sich, und ein neu gemessener Strumpf kann das Problem auflösen.
Sprich in dem Fall Deine Ärztin, Deinen Arzt oder das Sanitätshaus an, das gilt auch bei Druckstellen oder Hautveränderungen. Werden Deine Zehen blau oder weiß, oder spürst Du Taubheit oder zunehmende Schmerzen, zieh den Strumpf sofort aus und lass das ärztlich abklären.
Häufige Fragen
Darf ich den Strumpf über Nacht anlassen? Halte Dich an das, was mit Dir besprochen wurde. Bei Venenerkrankungen gilt in der Regel: tagsüber tragen, nachts ablegen. Bei Lymphödem gibt es eigene Nacht-Kompressionsstrümpfe, das legt die Praxis fest.
Warum geht es abends schwerer als morgens? Über den Tag können die Beine etwas anschwellen, dann sitzt der Strumpf straffer. Wer sich zu schnell bewegt, kämpft zusätzlich.
Kann ich den Strumpf einfach über die Zehen abstreifen? Besser nicht. Zerren am Strumpf kann das Gestrick beschädigen, Abrollen ist schonender.
Hilft es, den Strumpf vorher anzufeuchten? Nein. Auf feuchter Haut gleitet das Gestrick schlechter, trockne Deine Beine also vorher gut ab.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten (037-005), Version 5.1, 16.07.2026: Handhabung und Haltbarkeit, Empfehlung 18 (An- und Ausziehhilfen verordnen), Empfehlung 34 (Warnzeichen), Tagestragen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie: Tipps zu Kompressionsstrümpfen: Handschuhe, Ausziehhilfen, Waschen, Hautpflege am Abend
- KKH: Anziehhilfen: Verordnung und Zuzahlung
- Ofa Bamberg: Kompressionsstrümpfe anziehen und ausziehen: Technik, An- und Ausziehhilfen
- Sigvaris: An- und Ausziehen
- Juzo: Häufige Fragen: Schwellung im Tagesverlauf
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