Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe: welche passt zu Dir?
Anziehgestell, Gleitsocke oder Handschuhe? Der Vergleich der Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe: nach dem, woran es bei Dir konkret scheitert.

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Eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe wählst Du nach dem, woran es bei Dir hakt. Gummierte Handschuhe geben Grip, wenn die Hände wenig Kraft haben. Ein Gleiter lässt den Strumpf über Fuß und Ferse rutschen. Ein Anziehgestell nimmt Dir das Bücken ab. Für den Abend gibt es Ausziehhilfen. Bei eingeschränkter Beweglichkeit können Ärztinnen und Ärzte sie verordnen.
Stand: Oktober 2026. Die Quellen sind unten verlinkt.
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Auf einen Blick
- Erst die Hürde bestimmen, dann das Hilfsmittel. Bücken, Handkraft und Gleiten sind drei verschiedene Probleme.
- Handschuhe sind der einfachste Einstieg. Die phlebologische Fachgesellschaft empfiehlt Gummihandschuhe beim An- und Ablegen.
- Die klassische Gleitsocke passt nur zur offenen Spitze. Für geschlossene Spitzen gibt es eigene Gleiter.
- Anziehgestelle nehmen Dir das Bücken ab, verlangen aber Übung.
- Auf Rezept möglich. Die Leitlinie empfiehlt die Verordnung bei eingeschränkter Beweglichkeit.
Woran scheitert das Anziehen bei Dir?
Fast jede Schwierigkeit beim Anziehen gehört zu einer von drei Hürden. Entweder kommst Du nicht gut an den Fuß, oder Deine Hände bekommen keinen Zug auf das Gestrick, oder der Strumpf gleitet nicht über Ferse und Spann. Jede Hürde braucht ein anderes Hilfsmittel. Beobachte deshalb einen Morgen lang bewusst, an welcher Stelle es hakt.
Die Technik selbst steht in der Anleitung zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen.
Du kommst nicht gut an den Fuß. Eingeschränkte Beweglichkeit in Hüfte, Knie oder Rücken, ein größerer Bauchumfang, Schwindel beim Vornüberbeugen.
Die Hände machen nicht mit. Wenig Griffkraft, Arthrose in den Fingern, das Gestrick rutscht durch die Finger.
Das Material gleitet nicht. Der Strumpf bleibt an Ferse oder Spann hängen, oft bei sehr trockener oder feuchter Haut.
Welche Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe gibt es?
Die Leitlinie zur Kompressionstherapie unterscheidet bei An- und Ausziehhilfen zwischen Gleitern, Gestellen und Sonderformen. Dazu kommen gummierte Handschuhe, die fast jede Technik unterstützen. Es gibt Modelle für Strümpfe mit offener und mit geschlossener Spitze. Die Tabelle zeigt, welche Hilfe zu welcher Hürde passt und wo ihre Grenzen liegen.
| Hilfsmittel | Passt bei | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Gummi- oder Noppenhandschuhe | Handkraft, Grip | Sofort einsetzbar, schützt das Gestrick | Nimmt Dir das Bücken nicht ab |
| Gleitsocke (Fußgleiter) | Gleiten über Fuß und Ferse | Leicht, klein, reisetauglich | Nur bei offener Spitze |
| Gleiter für geschlossene Spitze | Gleiten über Fuß und Ferse | Wird oben an Bändern herausgezogen | Nimmt Dir das Bücken nicht ab |
| Anziehgestell (Strumpfanzieher) | Bücken, Beweglichkeit | Kein Vorbeugen zum Fuß nötig | Aufspannen braucht Übung und etwas Handkraft |
| Ausziehhilfe | Ausziehen | Kein tiefes Bücken am Abend | Nur fürs Ausziehen |
Handschuhe: der einfachste erste Schritt
Gummierte Handschuhe geben Dir Grip auf dem glatten Gestrick und verteilen den Zug über die ganze Handfläche. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie empfiehlt sie beim An- und Ablegen, weil sie das Material vor Fingernägeln und Ringen schützen.
Auch mit Gestell oder Gleiter brauchst Du sie meist weiter. Im LEVANA-Shop findest Du von allen Hilfsmitteln in diesem Artikel nur diese Handschuhe. Gleiter, Gestelle und Ausziehhilfen bekommst Du im Sanitätshaus.
Gleitsocke und Gleiter: wenn der Strumpf an der Ferse hängt
Eine Gleitsocke ist ein dünnes, sehr glattes Stück Stoff, das Du über den Fuß ziehst. Der Strumpf gleitet darüber, statt an der Ferse hängen zu bleiben. Danach ziehst Du die Gleitsocke durch die offene Fußspitze wieder heraus. Laut der Fachgesellschaft liegt sie Strümpfen mit offener Spitze meist bei.
Bei geschlossener Spitze funktioniert die klassische Gleitsocke nicht, weil Du sie nicht mehr herausbekommst. Dafür gibt es Gleiter aus besonders glattem, reißfestem Material, die nach dem Anziehen an Bändern oben herausgezogen werden. Schau also zuerst nach, welche Spitze Dein Strumpf hat.
Anziehgestell: wenn Bücken das Problem ist
Beim Anziehgestell, auch Strumpfanzieher oder Butler genannt, stülpst Du den Strumpf über einen leichten Rahmen. Du steigst im Sitzen in das aufgespannte Fußteil und ziehst das Gestell an den Griffen nach oben. Laut der phlebologischen Fachgesellschaft ziehst Du es so in Etappen bis etwa Kniehöhe hoch. Das Vorbeugen zum Fuß entfällt.
Das passt, wenn Du den Fuß nicht mehr bequem erreichst, etwa bei eingeschränkter Beweglichkeit in Hüfte, Knie oder Rücken, in der fortgeschrittenen Schwangerschaft oder nach einer Hüft- oder Knieoperation, wenn Dir ärztlich geraten wurde, Dich nicht tief zu beugen. Kommst Du gut an den Fuß und rutscht Dir eher das Gestrick durch die Finger, sind Handschuhe die einfachere Wahl.
Es gibt zwei Bauformen. Das Standgestell steht auf dem Boden und ist die stabilste Variante. Manche Modelle lassen sich laut Ofa mit schwenkbaren Griffen platzsparend verstauen. Der Bügel ist kleiner und leichter, verlangt aber mehr Handkraft, weil Du ihn beim Einführen halten musst.
So benutzt Du es:
- Vorbereiten. Gerät auf rutschfesten Boden stellen, davor ein stabiler Stuhl, kein Sofa.
- Aufspannen. Den Strumpf mit Handschuhen so über den Rahmen ziehen, dass die Ferse unten sitzt und die Öffnung weit gespannt ist. Das ist der Schritt, der Kraft verlangt.
- Fuß einführen. Von oben in die Öffnung, bis die Zehen am Fußteil ankommen.
- Hochziehen. An beiden Griffen gleichmäßig nach oben ziehen, nicht ruckartig. Der Strumpf streift vom Gestell ab und legt sich um das Bein.
- Kontrollieren. Ferse in der Fersenkappe, Falten mit flachen Händen ausstreichen, wie beim Anziehen ohne Gestell.
Worauf Du beim Kauf achtest: eine breite, rutschfeste Basis, Griffe, an denen Du im Sitzen aufrecht ziehen kannst, und ein Gerät, das zu Deinem Strumpf passt. Feste Gestricke lassen sich schwerer aufspannen als feine. Probier es deshalb im Sanitätshaus mit Deinem eigenen Strumpf aus. Ob Du es verordnet bekommst, entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt. Einen Aufpreis für ein Wunschmodell zahlst Du laut KKH selbst.
Ein Anziehgestell nimmt Dir das Bücken ab, ersetzt aber keine Handkraft beim Aufspannen und ist fürs Anziehen gebaut, nicht fürs Ausziehen. Strumpfanzieher führt der LEVANA-Shop nicht.
Ausziehhilfen: die unterschätzte Kategorie
Abends können die Beine etwas angeschwollen sein. Eine Ausziehhilfe ähnelt einem langen Schuhlöffel, mit dem Du den Strumpf bis über die Ferse nach unten schiebst. Manche Gleiter sind für An- und Ausziehen gedacht. Die Technik steht unter Kompressionsstrümpfe ausziehen.
Bekomme ich eine Anziehhilfe auf Rezept?
Ja, das ist möglich. Die S2k-Leitlinie zur Kompressionstherapie empfiehlt, bei eingeschränkter Beweglichkeit und Problemen beim An- und Ausziehen geeignete An- und Ausziehhilfen zu verordnen. Sie kommen auf ein eigenes Rezept, auf dem Indikation und Diagnose stehen. Du zahlst dann die gesetzliche Zuzahlung.
Als Indikationen nennt die Leitlinie unter anderem Lähmungen, altersbedingte Kraftminderung, Arthrose oder Rheuma, Versteifungen von Wirbelsäule, Hüfte oder Knie und Erkrankungen der Hände. Ob das zutrifft, entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt. Bei der KKH etwa ist keine vorherige Genehmigung nötig, ein Wunschmodell mit Mehrkosten zahlst Du selbst dazu.
Geht es auch mit Hilfsmitteln nicht, ist laut Leitlinie bei Bedarf das An- und Ausziehen durch einen ambulanten Pflegedienst verordnungsfähig.
Wo bekomme ich eine Anziehhilfe, und wie finde ich die richtige?
Anziehhilfen bekommst Du im Sanitätshaus, in Apotheken und im Fachhandel. Lass Dir das Hilfsmittel zeigen und probier es dort mit Deinem eigenen Strumpf aus. Wie gut ein Gestell oder Gleiter funktioniert, hängt von Deinem Gestrick, Deiner Beweglichkeit und Deiner Handkraft ab. Laut Hilfsmittelverzeichnis gehört zur Einweisung bei Strümpfen auf Rezept, das An- und Ablegen mit Dir zu üben.
Warum geht der Strumpf plötzlich leichter an?
Wenn ein Strumpf, den Du seit Monaten trägst, auf einmal deutlich leichter hochgeht, liegt das oft nicht an besserer Technik. Medizinische Kompressionsstrümpfe sind laut Leitlinie in der Regel für eine Nutzungsdauer von sechs Monaten vorgesehen. Wie lange sie halten, hängt auch von Pflege und vom An- und Ausziehen ab. Ein nachgelassener Strumpf sitzt bequemer, aber lockerer.
Mit zwei Paaren im Wechsel kann eines in der Wäsche sein. Laut Ofa regeneriert sich das Gewebe durch tägliches Waschen, also lohnt es sich, beide schonend zu waschen. Wenn Deine Versorgung älter als ein halbes Jahr ist, lohnt der Blick darauf, ob ein neues Paar ansteht und ob die Umfänge noch stimmen.
Häufige Fragen
Welche Anziehhilfe ist die beste? Es gibt keine beste, sondern die passende. Handschuhe bei wenig Handkraft, ein Gestell beim Bücken, ein Gleiter, wenn der Strumpf an der Ferse hängt.
Kann ich eine Gleitsocke bei geschlossener Spitze verwenden? Die klassische Gleitsocke nicht, weil Du sie nicht mehr herausbekommst. Für geschlossene Spitzen gibt es eigene Gleiter, die an Bändern oben herausgezogen werden.
Zahlt die Krankenkasse eine Anziehhilfe? Mit ärztlicher Verordnung ist das möglich. Die Leitlinie empfiehlt An- und Ausziehhilfen bei eingeschränkter Beweglichkeit und Problemen beim Anziehen, auf einem eigenen Rezept. Du zahlst dann die gesetzliche Zuzahlung.
Brauche ich zusätzlich noch Handschuhe, wenn ich ein Gestell habe? In der Regel ja. Das Aufspannen des Strumpfes auf den Rahmen und das Ausstreichen der Falten gehen mit Handschuhen leichter.
Was nutze ich, wenn ich mich gar nicht bücken kann? Ein Anziehgestell für den Morgen und eine Ausziehhilfe für den Abend. Reicht das nicht, kann laut Leitlinie ein Pflegedienst verordnet werden.
Verkauft LEVANA Gleiter oder Anziehgestelle? Nein. Im LEVANA-Shop gibt es nur gummierte Anziehhandschuhe. Gleiter, Gestelle und Ausziehhilfen bekommst Du im Sanitätshaus, mit Rezept oder selbst bezahlt.
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Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten (037-005), Version 5.1, 16.07.2026: Kapitel 2.1.3 (Gleiter, Gestelle, Sonderformen, Modelle für offene und geschlossene Spitze, eigenes Rezept, Indikationen), Empfehlung 18 (Verordnung), Empfehlung 15 (Nutzungsdauer von in der Regel 6 Monaten), Pflegedienst
- GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 17 Hilfsmittel zur Kompressionstherapie: Einweisung im Sanitätshaus, An- und Ablegen üben, Hinweise auf An- und Ausziehhilfen
- KKH: Anziehhilfen: Rezept, keine vorherige Genehmigung, Zuzahlung, Aufpreis für Wunschmodelle
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie: Tipps zu Kompressionsstrümpfen: Gummihandschuhe, Gleitsocke, Gleiter für geschlossene Strümpfe, Anziehgestell, Ausziehhilfe
- Ofa Bamberg: Kompressionsstrümpfe anziehen und ausziehen: Gleiter für offene und geschlossene Spitze, Kostenübernahme mit Rezept, tägliches Waschen
- Sigvaris: Tipps zum An- und Ausziehen: zu feuchte oder zu trockene Haut erschwert das Überstreifen
- Juzo: Häufige Fragen: Schwellung im Tagesverlauf, zwei Versorgungen zum Wechseln
Recherchiert von der LEVANA Redaktion, auf Basis medizinischer Leitlinien. Zu den Gästen im LEVANA Podcast
