Kompressionsstrümpfe und Stützstrümpfe richtig anziehen
So ziehst Du Kompressionsstrümpfe und Stützstrümpfe ohne Kraftakt an. Fünf Schritte, die sechs häufigsten Fehler und welche Anziehhilfen den Unterschied machen.

Auf dieser Seite
- Auf einen Blick
- Wann ist der beste Zeitpunkt zum Anziehen?
- Wie ziehst Du Kompressionsstrümpfe Schritt für Schritt an?
- Welche Fehler passieren beim Anziehen am häufigsten?
- Welche Anziehhilfen gibt es?
- Was tun, wenn das Anziehen trotzdem nicht klappt?
- Wie lange hält ein Kompressionsstrumpf?
- Häufige Fragen
- Quellen
Kompressionsstrümpfe ziehst Du am besten morgens direkt nach dem Aufstehen an, solange die Beine noch wenig geschwollen sind. Du wendest den Strumpf bis zur Ferse auf links, setzt Fuß und Ferse genau ein und arbeitest das Gestrick dann mit beiden Handflächen nach oben, statt am Bund zu ziehen. Gummierte Handschuhe machen das deutlich leichter.
Für Stützstrümpfe gilt im Grundsatz dieselbe Technik. Anziehen ist eine Fertigkeit, keine Frage der Kraft. Die Leitlinie sieht vor, dass Du in der richtigen Anwendung geschult wirst.
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Auf einen Blick
- Morgens anziehen. Direkt nach dem Aufstehen sind die Beine am wenigsten geschwollen. Ofa, medi und Sigvaris empfehlen das übereinstimmend.
- Rollen statt ziehen. Der Strumpf wird bis zur Ferse umgestülpt und dann abschnittsweise nach oben gearbeitet, nicht am Bund hochgezogen.
- Handschuhe nutzen. Gummierte Handschuhe geben Grip und schützen das Gestrick vor Fingernägeln und Schmuck.
- Die Ferse sitzt zuerst. Sitzt sie falsch, verdreht sich der ganze Strumpf.
- Falten ausstreichen. Falten können einschnüren und an einer Stelle drücken.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Anziehen?
Der beste Zeitpunkt ist morgens direkt nach dem Aufstehen, bevor Du länger stehst oder gehst. Dann sind die Beine am wenigsten geschwollen, und der Strumpf geht leichter über Knöchel und Wade. Ofa, medi und Sigvaris empfehlen das in ihren Anleitungen. Wer schon auf den Beinen war, legt sich laut Sigvaris vorher kurz mit hochgelegten Beinen hin. Am Reisetag ziehst Du sie deshalb an, bevor Du losfährst, nicht erst im engen Sitz im Flugzeug. Mehr dazu unter Kompressionsstrümpfe für den Flug.
Über den Tag sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe, besonders wenn Du viel sitzt oder stehst. Juzo begründet damit auch, warum Beine für Kompressionsstrümpfe morgens gemessen werden. Ein Strumpf, der morgens gut über die Wade geht, sitzt am Abend spürbar straffer.
Am einfachsten ist es noch im Sitzen auf der Bettkante. Wer duschen möchte, zieht den Strumpf danach an, aber erst, wenn die Haut vollständig trocken ist. Ofa weist darauf hin, dass Cremes und Lotionen den Halt verschlechtern und das Material beschädigen können. Pflege gehört deshalb besser auf den Abend.
Wie ziehst Du Kompressionsstrümpfe Schritt für Schritt an?
Du ziehst Handschuhe an, wendest den Strumpf bis zur Ferse auf links und setzt Fuß und Ferse genau in die Fersenkappe. Danach arbeitest Du das Gestrick abschnittsweise nach oben, ohne am oberen Rand zu ziehen, und streichst zum Schluss die Falten von unten nach oben aus. So beschreiben es Ofa, medi und Sigvaris.
1. Hände vorbereiten
Zieh Gummihandschuhe an, wie sie auch zum Spülen verwendet werden, oder spezielle Anziehhandschuhe mit Noppen. Das ist ein kleiner Handgriff, der spürbar etwas ausmacht.
Laut Ofa erleichtern gummierte Handschuhe den Griff am festen Gestrick, helfen, es gleichmäßig zu verteilen, und verhindern Laufmaschen durch Nägel oder Schmuck. Feil die Nägel deshalb rund und leg Ringe vorher ab.
2. Den Strumpf auf links wenden
Greif von oben in den Strumpf hinein, bis Deine Finger im Fersenbereich sind. Halte die Ferse fest und stülpe den Strumpf über Deine Hand nach außen, bis zur Ferse, nicht weiter. Sigvaris rät ausdrücklich, Kompressionsstrümpfe nicht wie normale Socken zusammenzurollen, sondern sie auf links zu drehen.
Du hast jetzt einen kurzen, dicken Ring aus Gestrick mit dem Fußteil daran. Genau so soll es sein.

3. Fuß und Ferse setzen
Setz den Fußteil auf die Zehen und zieh ihn über den Fuß, bis die Ferse exakt in der Fersenkappe sitzt.
Dieser Schritt bestimmt den Sitz des ganzen Strumpfes. Sitzt die Ferse zu weit vorn oder hinten, verdreht sich der Strumpf beim Hochrollen und das Gestrick liegt schief. Sigvaris betont, vor dem Weiterarbeiten zu prüfen, dass der Strumpf gerade ist und die Ferse an der richtigen Stelle sitzt. Nimm Dir hier die Zeit, die es braucht.
Kontrolliere kurz, ob die Naht mittig verläuft und die Zehen entspannt liegen.
4. Nach oben arbeiten
Jetzt arbeitest Du den umgestülpten Teil mit beiden Handflächen nach oben. Geh rundherum, nicht nur vorne, und schieb das Gestrick portionsweise nach. medi rät davon ab, den Strumpf ausschließlich nach oben zu ziehen, und empfiehlt, das Material schrittweise zu verteilen.

Zieh nicht am oberen Rand, um schneller fertig zu werden. Laut Sigvaris kann das den Strumpf beschädigen, und ein überdehnter Rand hält später schlechter.
Ein Kniestrumpf endet laut Ofa und medi etwa zwei Zentimeter unterhalb der Kniekehle. Bei Schenkelstrümpfen hilft es, das Knie leicht zu beugen, während Du über das Kniegelenk arbeitest.
5. Falten ausstreichen
Streich zum Schluss mit flachen Händen von unten nach oben über den Strumpf, so wie Sigvaris es beschreibt. Falten und Wülste gehören herausgestrichen, nicht gezupft. Ofa weist darauf hin, dass Falten den Druckverlauf stören und zu schmerzhaften Einschnürungen führen können.

Prüf besonders die Kniekehle, den Knöchel und den Bereich über dem Spann. Wenn irgendwo etwas einschneidet oder sich eine Kante abzeichnet, ist der Strumpf noch nicht richtig verteilt.
Welche Fehler passieren beim Anziehen am häufigsten?
Die meisten Probleme gehen auf sechs Handgriffe zurück. Jeder lässt sich erkennen und abstellen:
| Fehler | Woran Du es merkst | So stellst Du es ab |
|---|---|---|
| Zu spät am Tag | Der Strumpf geht abends kaum über die Wade. | Morgens direkt nach dem Aufstehen anziehen, noch im Sitzen. Warst Du schon unterwegs, rät Sigvaris, Dich vorher kurz mit hochgelegten Beinen hinzulegen. |
| Am Bund ziehen | Der Strumpf wandert im Lauf des Tages nach unten, der Rand leiert aus. | Bis zur Ferse umstülpen, Fuß setzen, dann mit beiden Handflächen abrollen. Sigvaris warnt, dass Ziehen am oberen Band den Strumpf beschädigen kann. |
| Ferse sitzt schief | Die Naht läuft schräg, der Strumpf verdreht sich beim Hochrollen. | Ferse mittig in die Fersenkappe, Naht gerade, erst dann weiterrollen. Einen verdrehten Strumpf rät Sigvaris auszuziehen und neu anzufangen. |
| Ohne Handschuhe | Die Finger rutschen ab, das Gestrick verteilt sich ungleichmäßig, es gibt Laufmaschen. | Gummierte Handschuhe, Ringe ab, Nägel rund feilen. Laut Ofa verteilen Handschuhe das Gestrick gleichmäßiger. |
| Feuchte oder eingecremte Haut | Das Gestrick bleibt hängen und lässt sich kaum verteilen. | Haut vollständig trocknen lassen, Pflegecreme erst abends nach dem Ausziehen. Ofa weist darauf hin, dass Cremes den Halt verschlechtern und das Material beschädigen können. |
| Falten bleiben stehen | Druck an einer Stelle, meist am Knöchel, in der Kniekehle oder über dem Spann. | Zum Schluss mit flachen Händen von unten nach oben ausstreichen, nicht zupfen. Laut Ofa stören Falten den Druckverlauf und können einschnüren. |
Sitzt der Strumpf richtig?
Ein richtig angezogener Strumpf liegt glatt und gleichmäßig an. Ein Kniestrumpf endet laut Ofa und medi etwa zwei Zentimeter unter der Kniekehle. Prüf zum Schluss vier Punkte:
- Ferse mittig in der Fersenkappe, Naht gerade?
- Falten ausgestrichen, besonders am Knöchel und in der Kniekehle?
- Bund liegt flach an, schneidet nicht ein, rollt sich nicht ein?
- Zehen und Spann entspannt, keine Kante spürbar?
Rollt sich der Rand jeden Tag ein oder rutscht der Strumpf trotz sauberer Technik, lies bei den rutschenden Strümpfen weiter. medi rät in diesem Fall, sich im Fachhandel neu vermessen zu lassen.
Welche Anziehhilfen gibt es?
Neben gummierten Handschuhen gibt es Gleiter, Anziehgestelle und flexible Sonderformen. Die Leitlinie zur Kompressionstherapie unterscheidet genau diese Gruppen. Sie empfiehlt, bei eingeschränkter Beweglichkeit und Problemen beim An- und Ausziehen geeignete Hilfen zu verordnen, und zwar auf einem eigenen Rezept. Ofa weist darauf hin, dass gesetzliche Kassen Anziehhilfen aus dem Hilfsmittelverzeichnis mit Verordnung übernehmen können.
| Hilfsmittel | Wofür es gut ist |
|---|---|
| Gummihandschuhe | Der Einstieg. Grip, gleichmäßiger Zug, Schutz für das Gestrick. |
| Anziehgestell | Der Strumpf wird über ein Gestell gespannt, Du schlüpfst hinein. Gut, wenn Bücken schwerfällt. |
| Gleiter / Fußgleiter | Dünnes Gleitstück über den Fuß, der Strumpf rutscht leichter darüber. Es gibt Modelle für offene und für geschlossene Fußspitzen. |
| Flexible Anziehhilfe aus Stoff | Leicht und faltbar, gut für unterwegs und auf Reisen. |
| Ausziehhilfe | Oft unterschätzt, denn das Ausziehen abends ist für viele die größere Hürde. |
Welches Hilfsmittel passt, hängt davon ab, woran es konkret scheitert: am Bücken, an der Handkraft oder am Gleiten des Materials. Ausführlich haben wir das im Vergleich der Anziehhilfen aufgeschrieben, die Standgeräte eingeschlossen.
Was tun, wenn das Anziehen trotzdem nicht klappt?
Wenn sich der Strumpf auch morgens, mit Handschuhen und in Ruhe kaum anziehen lässt, kann die Größe nicht mehr stimmen. Dann sind Deine Ärztin, Dein Arzt oder das Sanitätshaus die richtige Adresse. Laut GKV-Spitzenverband kann eine neue Versorgung auch früher begründet sein, wenn sich die Körpermaße deutlich verändert haben, zum Beispiel durch Gewicht.
Ein Strumpf soll fest sitzen, sich aber ohne Kraftakt anziehen lassen.
Bemerkst Du Hautveränderungen, offene Stellen, Taubheitsgefühle oder Schmerzen, dann bitte nicht selbst weiterprobieren, sondern ärztlich abklären lassen. Die Leitlinie nennt Blau- oder Weißfärbung der Zehen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle sowie zunehmende Schmerzen als Zeichen, die Kompression sofort abzunehmen und den Befund kontrollieren zu lassen.
Wie lange hält ein Kompressionsstrumpf?
Die Leitlinie sieht für medizinische Kompressionsstrümpfe eine Nutzungsdauer von in der Regel sechs Monaten vor. Wie lange die Kompression tatsächlich erhalten bleibt, hängt laut Leitlinie auch von der richtigen Handhabung ab, also von Pflege sowie An- und Ausziehen.
Kompressionsgestricke verlieren mit der Zeit an Elastizität. Das ist normal und kein Materialfehler. Ein Strumpf, der sich plötzlich viel leichter anziehen lässt als früher, kann ein Hinweis darauf sein, dass das Gestrick nachgelassen hat. Mehr dazu unter wie lange ein Paar hält.
medi empfiehlt, Kompressionsstrümpfe täglich nach dem Tragen zu waschen. Mit zwei Paaren im Wechsel hast Du immer eines frisch, während das andere trocknet. Wie Du sie sachgerecht wäschst, steht separat.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Anziehen mit Übung? Am Anfang dauert es spürbar länger, und das ist normal. Sigvaris rät, sich Zeit zu nehmen und zu üben, denn mit mehr Übung entstehen meist auch weniger Falten. Wenn es nach einigen Wochen noch ein Kraftakt ist, sprich das Sanitätshaus an.
Kann ich den Strumpf über Nacht anlassen? Halte Dich an das, was Deine Ärztin oder Dein Arzt Dir gesagt hat. Die Leitlinie beschreibt, dass medizinische Kompressionsstrümpfe bei Venenerkrankungen in der Regel nur tagsüber getragen werden. Für manche Menschen mit Lymphödem gibt es eigene Nacht-Kompressionsstrümpfe.
Was tun, wenn der Strumpf im Lauf des Tages rutscht? Oft wurde am Bund gezogen statt abgerollt, oder das Gestrick hat nachgelassen. Die fünf typischen Ursachen haben wir einzeln aufgeschrieben.
Hilft Talkum oder Puder? Laut Sigvaris kann etwas Talkumpuder oder Maisstärke das Überstreifen erleichtern, wenn die Haut zu feucht oder zu trocken ist. Cremes und Lotionen sollten vorher vollständig eingezogen sein. Ofa weist darauf hin, dass sie den Halt verschlechtern und das Material beschädigen können.
Gilt das auch für Stützstrümpfe? Ja, die Grundtechnik ist dieselbe. Auf links wenden, Ferse setzen und abschnittsweise nach oben arbeiten funktioniert bei Stützstrümpfen genauso. Wenn der Hersteller Deines Modells etwas anderes angibt, gehen seine Hinweise vor.
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Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten (037-005), Version 5.1, 16.07.2026: Nutzungsdauer von in der Regel sechs Monaten abhängig von der Handhabung (Empfehlung 15), Arten von An- und Ausziehhilfen und Verordnung auf eigenem Rezept (Kapitel 2.1.3, Empfehlung 18), Warnzeichen zum sofortigen Abnehmen (Empfehlung 34), Schulung in der richtigen Anwendung (Empfehlung 35), Tragen tagsüber und Nacht-Kompressionsstrümpfe bei Lymphödem
- GKV-Spitzenverband: Produktgruppe 17 Hilfsmittel zur Kompressionstherapie, Fortschreibung vom 26.05.2025: Mindesthaltbarkeit in der Regel sechs Monate, frühere Folgeversorgung bei veränderten Körpermaßen, Einweisung und Üben des Anlegens
- Ofa Bamberg: Kompressionsstrümpfe anziehen und ausziehen: Anziehen am Morgen, trockene Haut, Cremes und Halt, Handschuhe, Nägel und Schmuck, Falten und Einschnürungen, Sitz des Kniestrumpfes, Kostenübernahme für Anziehhilfen
- medi: Kompressionsstrümpfe an- und ausziehen: Anziehen am Morgen, Handschuhe, an der Ferse auf links wenden, nicht nur nach oben ziehen, Sitz des Kniestrumpfes
- medi: Strumpfpflege: tägliches Waschen, Wiederversorgung nach einem halben Jahr
- medi: Passformproblem: Rutschen, Einschneiden und Falten als Passformzeichen, neu vermessen lassen
- medi: Probleme mit Haftband: Ursachen für einen sich einrollenden Haftrand
- Sigvaris: Tipps zum An- und Ausziehen: Hinlegen vor dem Anziehen, Puder, auf links drehen, Ferse prüfen, nicht am oberen Band ziehen, Falten von unten nach oben glätten, bei Verdrehung neu anfangen, Übung
- Juzo: Häufige Fragen: Schwellung im Tagesverlauf als Grund für das Messen am Morgen
Recherchiert von der LEVANA Redaktion, auf Basis medizinischer Leitlinien. Zu den Gästen im LEVANA Podcast
