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Kompressionsstrümpfe auf Rezept: so läuft es ab

Vom Arztbesuch bis zum fertigen Strumpf: wer verordnet, was auf dem Rezept steht, wo Du einlöst, was das Anmessen bringt und wie lange es dauert.

Frau sitzt im Sanitätshaus auf einem Stuhl, das Hosenbein hochgekrempelt, während eine Fachkraft mit einem Maßband den Wadenumfang misst.
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Der Weg zum ersten Paar medizinischer Kompressionsstrümpfe ist kein Kauf, sondern eine Versorgung. Das klingt umständlich, hat aber einen Grund: Ein medizinischer Kompressionsstrumpf übt einen definierten Druck aus, und dieser Druck muss zu Deiner Diagnose und zu Deinen Maßen passen. Deshalb sind drei Stellen beteiligt: die Arztpraxis, die Krankenkasse und das Sanitätshaus oder die Apotheke.

Dieser Text beschreibt den Ablauf Schritt für Schritt, mit den Stellen, an denen es in der Praxis hakt, und mit dem, was Du selbst dazu beitragen kannst.

Stand: September 2026. Rechtsgrundlagen und Kassenangaben sind unten verlinkt.

Auf einen Blick

  • Medizinische Kompressionsstrümpfe bekommst Du auf ärztliche Verordnung. Die Praxis entscheidet über Kompressionsklasse, Strumpfart und Menge.
  • Eingelöst wird die Verordnung bei einem Vertragspartner Deiner Kasse, meist einem Sanitätshaus oder einer Apotheke mit entsprechender Qualifikation.
  • Vor der Abgabe wirst Du ausgemessen, am besten morgens, bevor die Beine anschwellen.
  • Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel.
  • In der Regel wird ein Paar je Verordnung übernommen. Ein zweites Paar zum Wechseln ist bei medizinischer Begründung möglich.
  • Stütz- und Reisestrümpfe sind keine Kassenleistung. Sie sind ein anderes Produkt und frei verkäuflich.

Der Ablauf in vier Schritten

SchrittWerWas passiertZeitrahmen
1. VerordnungArztpraxisDiagnose, Kompressionsklasse, Strumpfart und Menge werden festgelegtein Termin
2. GenehmigungKrankenkasse, meist über das SanitätshausPrüfung und Zusage der Kostenübernahmewenige Tage
3. AnmessenSanitätshaus oder ApothekeUmfänge und Längen messen, Ausführung wählenein Termin, etwa 30 Minuten
4. AbgabeSanitätshaus oder ApothekeAnprobe, Einweisung, gegebenenfalls NachbesserungSerienware wenige Tage, Maßanfertigung länger

Schritt 1: die ärztliche Verordnung

Verordnen kann jede Vertragsarztpraxis. In der Praxis sind es meist die Hausarztpraxis, eine phlebologische oder angiologische Praxis, die Dermatologie oder die Gefäßchirurgie. Auf dem Rezept stehen die Diagnose, die Kompressionsklasse, die Strumpfart, also zum Beispiel Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf oder Strumpfhose, und die Menge.

Welche Kompressionsklasse Du brauchst, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Die S2k-Leitlinie zur Kompressionstherapie hält ausdrücklich fest, dass sich eine Klasse nicht starr einer Diagnose zuordnen lässt: Befund, Ausmaß der Schwellung, Beschwerden und Verträglichkeit gehören in die Entscheidung. Was die Klassen bedeuten, steht in Kompressionsklasse 1 oder 2.

Drei Dinge lohnen sich im Gespräch:

  • Sag, wo und wann die Beschwerden auftreten. Abends, nach langem Stehen, im Sommer, auf Reisen.
  • Sag, wenn ein früherer Strumpf nicht funktioniert hat. Gerutscht, gedrückt, nicht anzuziehen: Jeder dieser Punkte ändert die Verordnung, nicht nur den Hersteller.
  • Sprich über Anziehhilfen, wenn Kraft oder Beweglichkeit begrenzt sind. Sie können mitverordnet werden.

Schritt 2: die Krankenkasse

Viele Kassen prüfen die Versorgung, bevor sie bezahlt wird. Das Sanitätshaus übernimmt diesen Schritt in der Regel für Dich und wartet die Zusage ab. Deshalb bekommst Du die Strümpfe selten am selben Tag.

Rundgestrickte Serienstrümpfe, die übliche Versorgung bei Venenleiden, werden bis zur Höhe der Festbeträge übernommen. Flachgestrickte Versorgungen, häufig bei Lymphödem oder Lipödem, laufen über Verträge zwischen Kasse und Leistungserbringer. Wählst Du ein Produkt, das über das medizinisch Notwendige hinausgeht, trägst Du die Differenz selbst. Die Kostenseite steht im Detail in Zahlt die Krankenkasse Kompressionsstrümpfe?.

Schritt 3: Anmessen

Das Anmessen entscheidet darüber, ob die Therapie funktioniert. Ein Strumpf mit der richtigen Klasse in der falschen Größe übt nicht den verordneten Druck aus.

  • Morgens messen. Über den Tag lagert sich Flüssigkeit ein, die Maße ändern sich.
  • Mehrere Punkte. Bei Wadenstrümpfen typischerweise Fessel- und Wadenumfang sowie die Beinlänge, bei Schenkelstrümpfen zusätzlich Oberschenkelumfang.
  • Serie oder Maß. Passen Deine Maße in die Serientabelle, bekommst Du Serienware. Wenn nicht, wird maßgefertigt, was länger dauert.

Wie das Messen technisch geht, zeigt unsere Messanleitung für Waden- und Fesselumfang. Für die Kassenversorgung misst das Fachpersonal, bei frei verkäuflichen Stützstrümpfen misst Du selbst.

Schritt 4: Abgabe, Anprobe, Nachbesserung

Lass Dir bei der Abgabe zeigen, wie Du den Strumpf anziehst, und probiere ihn dort an. Die meisten Alltagsprobleme sind Technikprobleme: so ziehst Du Kompressionsstrümpfe an und die häufigsten Fehler dabei.

Sag es sofort, wenn etwas drückt, einschneidet oder rutscht. Eine Nachbesserung in den ersten Tagen ist normal und deutlich einfacher als ein Wechsel Monate später.

Ausziehen und ärztlich abklären lassen solltest Du bei Taubheitsgefühlen, zunehmenden Schmerzen oder einer Blau- oder Weißfärbung der Zehen. Das sind Warnzeichen, keine Eingewöhnung.

Häufige Fragen

Wer darf Kompressionsstrümpfe verordnen?

Jede Vertragsarztpraxis. Für die Versorgung selbst braucht es keine Fachpraxis, wohl aber eine Diagnose, die die Kompression begründet.

Wie lange dauert es, bis ich die Strümpfe habe?

Serienware ist meist innerhalb weniger Tage da, sobald die Kasse zugestimmt hat. Maßanfertigungen brauchen länger, weil sie erst gefertigt werden.

Kann ich mir das Sanitätshaus aussuchen?

Du kannst unter den Vertragspartnern Deiner Kasse wählen. Welche das sind, sagt Dir die Kasse, und viele Kassen führen eine Suche auf ihrer Website.

Was kostet mich die Versorgung?

Die gesetzliche Zuzahlung: 10 Prozent der Kosten, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel. Dazu kommen Mehrkosten nur, wenn Du etwas oberhalb des medizinisch Notwendigen wählst.

Bekomme ich gleich zwei Paar?

Meist nicht beim ersten Mal. Ein zweites Paar zum Wechseln ist möglich, wenn es medizinisch begründet ist, in der Regel über eine eigene Verordnung.

Was, wenn die Strümpfe nicht passen?

Zurück ins Sanitätshaus, am besten in den ersten Tagen. Nachmessen und Nachbessern gehören zur Versorgung dazu.

Und wenn ich kein Rezept habe?

Dann bleibt der Selbstzahlerweg mit Stütz- und Reisestrümpfen, zum Beispiel für lange Flüge und Fahrten oder lange Arbeitstage. Sie ersetzen keine verordnete Kompression: wann das sinnvoll ist.

Wie lange hält eine Versorgung?

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind auf etwa sechs Monate tägliche Nutzung ausgelegt, danach lässt der Druck nach. Wann Deine Kasse eine Folgeversorgung übernimmt, steht in Wie oft neue Kompressionsstrümpfe?.

Quellen

Carefully researched by the LEVANA editorial team, supported by our advisory board for movement, nutrition and leg wellness. Meet the advisory board.