Wie oft neue Kompressionsstrümpfe?
Sechs Monate Tragedauer, zwei Paar im Jahr, Folgeverordnung: wann ein Strumpf ausgedient hat, woran Du es merkst und was die Kasse übernimmt.

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Ein Kompressionsstrumpf altert unsichtbar. Er sieht nach acht Monaten fast aus wie am ersten Tag und drückt trotzdem messbar weniger. Genau das ist das Problem: Die Therapie läuft weiter, die Wirkung nicht.
Deshalb gibt es eine Faustregel, ein paar Anzeichen, an denen Du den Zeitpunkt selbst erkennst, und eine Kassenregel, die je nach Kasse unterschiedlich ausfällt.
Stand: September 2026. Quellen unten verlinkt.
Auf einen Blick
- Medizinische Kompressionsstrümpfe sind auf etwa sechs Monate tägliche Nutzung ausgelegt.
- Daraus folgt die übliche Versorgung: zwei Paar pro Jahr, wenn die Therapie dauerhaft läuft.
- Ein zweites Paar zum Wechseln braucht eine medizinische Begründung und meist eine eigene Verordnung.
- Wann die Kasse eine Folgeversorgung übernimmt, ist kassenabhängig: mancherorts nach sechs Monaten, anderswo frühestens nach zwölf.
- Waschen verlängert die Lebensdauer, weil Hautfett und Cremereste das Gestrick angreifen.
- Für Stütz- und Reisestrümpfe gilt dieselbe Logik ohne Kassenbezug.
Warum sechs Monate
Das Gestrick verliert durch Tragen, Dehnen und Waschen an Rückstellkraft. Leitlinie und Hersteller gehen von etwa einem halben Jahr täglicher Nutzung aus, in dem der angegebene Druckbereich erhalten bleibt. Danach sinkt der Druck allmählich, ohne sichtbare Veränderung.
Das ist auch der Grund für die verbreitete Regel "zwei Paar pro Jahr": sechs Monate plus sechs Monate.
Woran Du es merkst
| Anzeichen | Was dahintersteckt | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Der Strumpf geht deutlich leichter an als am Anfang | Rückstellkraft lässt nach | Tragedauer prüfen, Folgeverordnung ansprechen |
| Er rutscht, obwohl Größe und Technik gleich sind | Gestrick oder Haftband ermüdet | Ursachen prüfen, dann Praxis |
| Abends fehlt die gewohnte Entlastung | Druck unter dem verordneten Bereich | Praxis ansprechen |
| Laufmaschen, dünne Stellen, Löcher | Beschädigtes Gestrick, ungleichmäßiger Druck | ersetzen, nicht weitertragen |
| Die Maße haben sich geändert | Schwellung zurückgegangen oder zugenommen | neu messen lassen |
Ein Strumpf mit Loch ist kein Sparmodell, sondern ein Strumpf mit ungleichmäßigem Druck.
Folgeversorgung: was die Kassen sagen
Für eine neue Versorgung brauchst Du eine neue ärztliche Verordnung. Wie lange die Kasse zwischen zwei Versorgungen erwartet, ist unterschiedlich geregelt, und genau hier widersprechen sich die Angaben der Kassen:
| Kasse | Angabe zur Folgeversorgung |
|---|---|
| BARMER | nach einer Mindesttragezeit von sechs Monaten sind neue Strümpfe möglich; mit Wechselausstattung reicht die Versorgung über zwölf Monate |
| Techniker Krankenkasse | Kosten werden frühestens nach zwölf Monaten erneut übernommen |
Deshalb gilt: Frag Deine Kasse, statt zu schätzen. Es steht im Bescheid oder die Hotline sagt es in zwei Minuten. Die Kostenseite insgesamt steht in Zahlt die Krankenkasse Kompressionsstrümpfe?, der Ablauf einer Versorgung in Kompressionsstrümpfe auf Rezept.
Wie Du die Lebensdauer ausreizt
- Täglich waschen, mit Feinwaschmittel, ohne Weichspüler: Waschanleitung.
- Zwei Paar im Wechsel tragen, dann trocknet eines, während das andere getragen wird.
- Nicht auswringen, nicht auf die Heizung legen, an der Luft trocknen.
- Beim Anziehen nicht zerren, sondern abrollen: so geht es richtig.
- Schmuck und lange Nägel sind die häufigste Ursache für Laufmaschen.
Die häufigsten Pflegefehler
Sie kosten Lebensdauer, und jeder davon ist leicht zu vermeiden:
- Zu selten waschen. Hautfett und Cremereste setzen sich im Gestrick fest und greifen die elastischen Fäden an. Täglich waschen ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.
- Weichspüler. Er legt sich um die Fasern und nimmt ihnen die Rückstellkraft.
- Zu heiß waschen oder trocknen. Heizung und Trockner sind die schnellste Art, einen Strumpf alt zu machen, sofern der Hersteller nichts anderes angibt.
- Auswringen. Das verzieht das Gestrick dauerhaft.
- Creme direkt vor dem Anziehen. Fetthaltige Reste landen sofort im Strumpf. Besser abends eincremen.
Rechnet sich ein zweites Paar?
Ja, und zwar doppelt. Ein Paar im Wechsel bedeutet, dass nie ein feuchter Strumpf angezogen wird und dass sich die Belastung auf zwei Paare verteilt. Beides verlängert die nutzbare Zeit.
Dazu kommt der praktische Punkt: Wer nur ein Paar hat, trägt es an Waschtagen gar nicht. Eine Therapie, die an zwei Tagen pro Woche pausiert, ist keine Therapie mit voller Wirkung. Genau deshalb ist die Wechselversorgung bei medizinischer Begründung vorgesehen.
Häufige Fragen
Wie lange halten Kompressionsstrümpfe?
Etwa sechs Monate bei täglichem Tragen. Danach lässt der Druck nach, auch wenn der Strumpf noch gut aussieht.
Zahlt die Kasse zweimal im Jahr neue Strümpfe?
Das hängt von der Kasse ab. Manche nennen sechs Monate Mindesttragezeit, andere übernehmen frühestens nach zwölf Monaten erneut.
Brauche ich für jedes neue Paar ein neues Rezept?
Für eine Folgeversorgung ja, es braucht eine neue ärztliche Verordnung.
Woran merke ich, dass der Strumpf nicht mehr wirkt?
Er geht zu leicht an, rutscht, oder die Beine schwellen abends wieder stärker an als in den ersten Wochen mit diesem Paar.
Kann ich durch häufiges Waschen die Lebensdauer verkürzen?
Umgekehrt: Nicht waschen ist schädlicher. Hautfett und Cremereste greifen die elastischen Fäden an. Wichtig sind Feinwaschmittel, kein Weichspüler und Lufttrocknen.
Was mache ich mit den alten Strümpfen?
Ausrangieren, sobald das neue Paar da ist. Als Reserve taugt ein ausgeleierter Strumpf nicht, weil er nicht mehr den verordneten Druck ausübt.
Und bei Stütz- und Reisestrümpfen?
Sie haben keine definierte Kompressionsklasse, also auch keinen Druckwert, der verfallen könnte. Dieselbe Logik gilt trotzdem: Fühlt sich ein Strumpf schlaff an, ist er ausgeleiert oder rutscht er, tut er nicht mehr, wofür Du ihn gekauft hast. Ersatz findest Du im Shop, sortiert nach Reise und Beruf.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie 037-005: Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten, Tragedauer und Druckerhalt
- BARMER: Hilfsmittel zur Kompressionstherapie: Mindesttragezeit und Wechselausstattung
- Techniker Krankenkasse: Wie viele Kompressionsstrümpfe bekomme ich?: Folgeversorgung frühestens nach zwölf Monaten
- SGB V §33: Hilfsmittel
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