Notfall-Hinweis: Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, blutiger Husten, Herzrasen oder Ohnmacht können auf eine Lungenembolie hinweisen. Wähle sofort die 112, nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Typische Anzeichen einer Thrombose im Bein sind eine neu auftretende, meist einseitige Schwellung von Wade, Knöchel oder ganzem Bein, ein ziehender Schmerz wie Muskelkater, ein Spannungsgefühl und eine bläulich verfärbte, glänzende, wärmere Haut. Schon eines dieser Zeichen an einem Bein reicht für einen Verdacht, den Du noch am selben Tag ärztlich abklären lassen solltest. Eine Thrombose kann aber auch ganz ohne Beschwerden verlaufen. Nachweisen lässt sie sich nur mit einem Ultraschall der Beinvenen, nicht durch Abtasten oder einen Selbsttest.
Stand: Oktober 2026. Die Quellen sind unten verlinkt.
Auf einen Blick
- Was ist eine TVT? Ein Blutgerinnsel in einer der tiefen, in der Muskulatur liegenden Venen, meist im Bein.
- Häufigste Anzeichen: einseitige Schwellung, Schmerz vor allem in der Wade, Spannungsgefühl, bläuliche, warme Haut, stärker sichtbare oberflächliche Venen.
- Ohne Beschwerden möglich: Manche Thrombosen fallen erst durch eine Lungenembolie auf.
- Diagnose: Einschätzung der Wahrscheinlichkeit (zum Beispiel Wells-Score), D-Dimer-Bluttest, Ultraschall der Beinvenen.
- Behandlung: gerinnungshemmende Medikamente, in der Regel für mindestens 3 Monate, meist ambulant, dazu Kompression bei geschwollenem Bein und Bewegung.
- Notfall: Atemnot oder Brustschmerz zusammen mit Beinbeschwerden, sofort 112.
Welche Anzeichen deuten auf eine Thrombose im Bein hin?
Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) nennt diese Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose:
- Plötzliche Schwellung der Wade, der Knöchelregion oder des gesamten Beins
- Schwere- und Spannungsgefühl, das beim Hochlegen des Beins nachlässt
- Bläulich verfärbte, glänzende Haut, die sich wärmer anfühlt als am anderen Bein
- Stärker sichtbare oberflächliche Venen, sogenannte Warnvenen: Das Blut sucht sich Umwege, weil die tiefe Vene verschlossen ist
- Schmerzen, vor allem in der Wade, die beim Beugen des Fußes oder auf Druck stärker werden. Sie werden oft als ziehend beschrieben und können sich wie Muskelkater anfühlen
- Leichtes Fieber und ein beschleunigter Puls
Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums (gesund.bund.de) nennt außerdem Schmerzen in der Hüfte und eine gerötete Haut. Wie stark die Beschwerden sind, hängt davon ab, welche Vene betroffen ist, wie groß das Gerinnsel ist und wie schnell es entsteht.
Wichtig: Fehlen einige dieser Zeichen, ist eine Thrombose nicht ausgeschlossen. Laut DGPL besteht schon dann ein Verdacht, wenn nur eines davon an einem Bein neu auftritt. Umgekehrt sind die Zeichen nicht eindeutig: Auch eine oberflächliche Venenentzündung, Krampfadern, eine Wundrose (Erysipel) oder die Schaufensterkrankheit (pAVK) können Schmerz, Schwellung und Rötung auslösen. Deshalb gehört jeder Verdacht in ärztliche Hände.
Anzeichen einer Lungenembolie
Löst sich ein Teil des Gerinnsels, kann er über das Herz in die Lunge geschwemmt werden und dort Gefäße verstopfen. Anzeichen sind:
- plötzliche Atemnot
- Brustschmerzen, besonders beim Einatmen oder Husten
- Husten, vor allem mit blutigem Auswurf
- Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
- Herzrasen
- starkes Angstgefühl
Dann gilt: sofort 112, auch wenn das Bein selbst kaum Beschwerden macht. Laut Leitlinie starben zuletzt etwa 14 von 100 Menschen, die wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus behandelt wurden, 2005 waren es noch etwa 20 von 100.
Wie wird eine Thrombose festgestellt?
Laut der deutschen Leitlinie (AWMF S2k 065-002, Empfehlung 2.1) reichen Gespräch und körperliche Untersuchung allein nicht aus, um eine Thrombose zu bestätigen oder auszuschließen. In die Abklärung fließen typischerweise drei Bausteine ein:
- Klinische Wahrscheinlichkeit: Die Ärztin oder der Arzt schätzt anhand von Beschwerden, Vorgeschichte und Befund ein, wie wahrscheinlich eine Thrombose ist, oft mit dem Wells-Score.
- D-Dimer-Bluttest: D-Dimere entstehen, wenn der Körper ein Gerinnsel abbaut. Der Test kann eine Thrombose nur ausschließen, nicht beweisen. Normale Werte schließen eine Beinvenenthrombose laut Leitlinie mit mehr als 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit aus, zusammen mit einer niedrigen klinischen Wahrscheinlichkeit gilt sie als ausgeschlossen. Erhöhte Werte beweisen dagegen keine Thrombose: Sie steigen zum Beispiel auch nach Operationen, bei Infektionen oder Entzündungen.
- Ultraschall: Bei der Kompressionssonografie drückt die Ärztin oder der Arzt die Venen mit dem Schallkopf zusammen. Eine freie Vene lässt sich ganz zusammendrücken, eine Vene mit Gerinnsel nicht. Der Ultraschall ist laut Leitlinie die Methode der ersten Wahl, um eine Thrombose nachzuweisen oder auszuschließen. Wo er verfügbar ist, sollte laut Leitlinie direkt geschallt werden (Empfehlung 2.4).
Der Wells-Score
So sieht die Punkteliste aus, die die Leitlinie abdruckt (Tabelle 2.1). Sie ist ein Werkzeug für die Untersuchung, kein Selbsttest: Mehrere Punkte kann nur jemand beurteilen, der das Bein untersucht.
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Aktive Krebserkrankung (Diagnose vor weniger als 6 Monaten, laufende Behandlung oder Palliativsituation) | 1 |
| Ruhigstellung eines Beins durch einen gelenkübergreifenden Verband oder durch eine Lähmung | 1 |
| Bettruhe an 3 oder mehr Tagen oder große Operation in den letzten 3 Monaten | 1 |
| Druckschmerz entlang der tiefen Venen | 1 |
| Schwellung des ganzen Beins | 1 |
| Unterschenkel mindestens 3 cm dicker als auf der Gegenseite | 1 |
| Einseitiges Ödem am betroffenen Bein | 1 |
| Deutlich sichtbare oberflächliche Umgehungsvenen, die keine Krampfadern sind | 1 |
| Tiefe Venenthrombose in der Vorgeschichte | 1 |
| Eine andere Ursache ist mindestens ebenso wahrscheinlich | -2 |
Auswertung: 2 Punkte oder mehr bedeuten eine hohe, 0 bis 1 Punkt eine niedrige Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose. Bei niedriger Wahrscheinlichkeit kann ein normaler D-Dimer-Test eine Thrombose ausschließen, oft wird aber direkt geschallt. Der Score allein entscheidet nichts.
Wer ist besonders gefährdet?
Etwa einer von 1.000 Menschen bekommt pro Jahr eine tiefe Venenthrombose mit Beschwerden. Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich: Für Thrombose und Lungenembolie zusammen (venöse Thromboembolie) liegt es laut Leitlinie bei 50- bis 60-Jährigen bei etwa 1 zu 1.000 pro Jahr, bei über 80-Jährigen bei etwa 1 zu 100. Die Leitlinie ordnet die Risikofaktoren nach ihrer Stärke:
| Stärke | Beispiele |
|---|---|
| Stark | Knochenbruch am Bein, Hüft- oder Kniegelenkersatz, schwere Verletzung, frühere Thrombose oder Lungenembolie, Klinikaufenthalt wegen Herzschwäche oder Vorhofflimmern in den letzten 3 Monaten, Herzinfarkt in den letzten 3 Monaten |
| Mittel | Krebs und Chemotherapie, Antibabypille, Hormonersatztherapie, Wochenbett, angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, oberflächliche Venenthrombose, Schlaganfall mit Lähmung, Infektionen, Autoimmun- und chronisch entzündliche Darmerkrankungen |
| Schwach | Bettruhe über 3 Tage, langes Sitzen auf Auto- oder Flugreisen, höheres Alter, Adipositas (starkes Übergewicht), Schwangerschaft, Krampfadern, Diabetes, Bluthochdruck |
Wie stark ein Faktor wirkt, ist sehr unterschiedlich, meist kommen mehrere zusammen. Etwa zwei Drittel aller Thrombosen entstehen im Zusammenhang mit einer vorübergehenden Risikosituation wie einer Operation, einer Verletzung oder Bettlägerigkeit. Bei bis zu 30 Prozent findet sich kein Auslöser.
Behandlung
Meist ambulant. Laut Leitlinie können die meisten Thrombosen von erfahrenen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten behandelt werden. Ins Krankenhaus geht es bei starken Beschwerden, hohem Komplikationsrisiko oder schweren Begleiterkrankungen. Bei Verdacht auf eine Lungenembolie gilt immer: 112.
Gerinnungshemmende Medikamente. Sie verhindern, dass das Gerinnsel weiterwächst und dass sich neue bilden. Auflösen muss es der Körper selbst. Auf eine kurze Anfangsphase folgt eine Erhaltungstherapie, in der Regel von mindestens 3 Monaten, manchmal länger. Welches Mittel und wie lange, entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt.
Kompression bei geschwollenem Bein. Hat das Bein eine Stauung, soll die Kompression laut Leitlinie innerhalb von 24 Stunden nach der Diagnose beginnen (Empfehlung 2.15). Bei geschwollenem Unterschenkel soll standardmäßig ein medizinischer Kompressionsstrumpf bis zum Knie in Kompressionsklasse 2 getragen werden. Bei geschwollenem Oberschenkel sollte ein Schenkelstrumpf verordnet werden, bei stark geschwollenem Bein sollte zuerst ein Kompressionsverband angelegt werden (Empfehlung 2.16). Weiße Thrombosestrümpfe aus der Klinik sollten laut Leitlinie dafür nicht verwendet werden, ihr Druck ist zu niedrig. Nach 3 bis 6 Monaten soll anhand Deiner Beschwerden geprüft werden, ob Du den Strumpf weiter brauchst (Empfehlung 2.17).
Bewegung statt Bettruhe. Strenge Bettruhe ist laut DGPL nur noch für Menschen vorgesehen, bei denen die Thrombose im Liegen entstanden ist, etwa nach einer Operation. Alle anderen dürfen aufstehen, sobald Medikamente und Kompression begonnen haben. Gehen lindert die Beschwerden.
Spätfolge postthrombotisches Syndrom. Etwa 30 Prozent der Betroffenen entwickeln ein postthrombotisches Syndrom: Die Vene bleibt geschädigt, mit Schwellung, Schmerzen, Schweregefühl und Hautveränderungen. Bei 2 bis 3 Prozent wird es schwer, bis hin zu einer offenen Wunde (Ulcus cruris). Das ähnelt einer chronischen Veneninsuffizienz.
Vorbeugen: was Du selbst tun kannst
- Nach Operationen oder Bettruhe früh aufstehen. Schon Wippen mit dem Fuß im Bett bringt die Wadenmuskeln in Gang.
- Lange Sitzphasen unterbrechen, auch auf Reisen: aufstehen und ein paar Schritte gehen.
- Rauchen aufgeben, Übergewicht abbauen, regelmäßig bewegen. Die DGPL nennt das als Vorbeugung.
- Bei erhöhtem Risiko ärztlich beraten lassen. Ob Kompressionsstrümpfe oder gerinnungshemmende Medikamente für Dich sinnvoll sind, etwa vor einer langen Reise oder nach einer Operation, hängt von Deinen Risikofaktoren ab.
Häufige Fragen
Wie kann ich testen, ob ich eine Thrombose habe? Zu Hause gar nicht zuverlässig. Die klassischen Tastzeichen, zum Beispiel Wadenschmerz beim Hochziehen des Fußes, sind laut Leitlinie unspezifisch und führen allein zu vielen Fehlalarmen. Nachgewiesen wird eine Thrombose mit Ultraschall, ein unauffälliger D-Dimer-Bluttest kann sie bei niedriger Wahrscheinlichkeit ausschließen. Hast Du eines der Anzeichen an einem Bein, geh noch am selben Tag in eine Praxis oder Notaufnahme. Bei Atemnot oder Brustschmerz wähle die 112.
Was darf man bei einer Thrombose nicht tun? Nicht abwarten, ob es von selbst besser wird, und bei Atemnot oder Brustschmerz nicht den Bereitschaftsdienst rufen, sondern die 112. Nach der Diagnose ist strenge Bettruhe meist nicht mehr nötig, Bewegung hilft. Brich die gerinnungshemmende Behandlung nicht eigenmächtig ab, über ihre Dauer entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt.
Wie lange vorher kündigt sich eine Thrombose an? Eine feste Vorwarnzeit gibt es nicht. Manche Thrombosen machen deutliche Beschwerden, andere gar keine, und manche fallen erst durch eine Lungenembolie auf. Achte besonders in Risikozeiten auf Dein Bein: in den Wochen nach einer Operation, nach längerer Bettruhe, einem Gips oder einer langen Reise. Der Wells-Score zählt eine große Operation bis zu 3 Monate zurück.
Kann eine Thrombose von selbst heilen? Viele tiefe Venenthrombosen bleiben laut gesund.bund.de unbemerkt und lösen sich von selbst auf. Ob ein Gerinnsel harmlos ist, kannst Du aber selbst nicht erkennen, deshalb gehört jeder Verdacht in ärztliche Hände. Eine festgestellte tiefe Venenthrombose muss aber behandelt werden, weil eine Lungenembolie droht. Die Medikamente stoppen das Wachstum, den Abbau übernimmt der Körper: Laut Leitlinie werden 50 bis 80 Prozent der betroffenen Venen wieder durchgängig.
Kann man eine Thrombose haben, ohne etwas zu spüren? Ja. Gerade bei bettlägerigen oder schwer kranken Menschen kann eine Thrombose laut Leitlinie symptomarm verlaufen. Deshalb bekommen viele Menschen nach Operationen eine vorbeugende Behandlung.
Wie lange dauert die Behandlung? Die gerinnungshemmenden Medikamente nimmst Du in der Regel mindestens 3 Monate, manchmal länger. Über die Kompression wird nach 3 bis 6 Monaten neu entschieden, je nachdem, ob das Bein noch schwillt oder schmerzt.
Erhöht die Pille das Thromboserisiko? Ja, östrogenhaltige Pillen, also Kombinationspillen, erhöhen es. Die Leitlinie zählt die Einnahme oraler Verhütungsmittel zu den mittelstarken Risikofaktoren. Kommen weitere hinzu, etwa eine frühere Thrombose in der Familie, sprich mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt über Alternativen.
Wann zum Arzt?
| Situation | Was tun |
|---|---|
| Atemnot, Brustschmerz, blutiger Husten, Herzrasen oder Ohnmacht | Sofort 112 |
| Plötzliche einseitige Beinschwellung mit Schmerz, Wärme oder bläulicher Haut | Sofort ärztlich abklären: Praxis oder Notaufnahme, nicht abwarten |
| Ein einzelnes neues Anzeichen an einem Bein, besonders nach Operation, Gips, Bettruhe oder langer Reise | Noch am selben Tag in eine Praxis |
| Nach einer Thrombose: Bein schwillt weiter, schmerzt oder wird schwer | Bei Deiner behandelnden Praxis melden |
Wie LEVANA Dich begleitet
LEVANA ist kein Notfalldienst, und der LEVANA Leg Check™ stellt keine Diagnose. Bei Anzeichen einer Thrombose oder Lungenembolie zählt nur die ärztliche Abklärung. Nach einer behandelten Thrombose kann Dich die App im Alltag begleiten: mit Erinnerungen an Kompression und Bewegung und mit Übungen für die Wadenmuskeln.
Quellen
Alle abgerufen am 6. Oktober 2026.
- AWMF S2k-Leitlinie 065-002: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie, Stand 2023 (Epidemiologie, Tabelle 1.1, Wells-Score Tabelle 2.1, Empfehlungen 2.1 bis 2.17). Leitlinie als PDF
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Tiefe Venenthrombose (TVT)
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Lungenembolie
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL): Thrombose
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- Geschwollenes Bein: Ursachen und was wirklich hilft
- Krampfadern
- Chronische Veneninsuffizienz
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Haftungsausschluss
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Thrombose lass Dich sofort ärztlich untersuchen, bei Atemnot oder Brustschmerz wähle die 112.
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