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Ratgeber Beingesundheit

Chronische Veneninsuffizienz (CVI): Therapie und Behandlung nach Leitlinie

CVI behandeln: was laut Leitlinie hilft, von Kompression und Bewegung bis zur Behandlung der Krampfadern, was beim offenen Bein gilt und wann Du sofort zum Arzt solltest.

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Eine Frau sitzt barfuß auf einem Sofa und umfasst mit beiden Händen ihren Unterschenkel.

LEVANA ist eine Wellness-App und stellt keine medizinische Diagnose. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Selbstfürsorge im Alltag. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten oder starken Beschwerden wende Dich an eine Fachperson oder den Notdienst.

Eine chronische Veneninsuffizienz (CVI) wird mit drei Bausteinen behandelt: medizinischer Kompression, Bewegung für die Wadenmuskelpumpe und, wenn undichte oberflächliche Venen die Ursache sind, einem Eingriff an diesen Venen. Kompression ist laut Leitlinie die konservative Standardtherapie beim offenen Bein und verringert Schwellungen. Die Behandlung der Krampfadern senkt das Risiko, dass ein abgeheiltes offenes Bein wieder aufbricht. Heilen lässt sich die Neigung zur CVI nicht, ihren Verlauf kannst Du aber beeinflussen.

Stand: Oktober 2026. Die Quellen sind unten verlinkt.

Auf einen Blick

  • Was ist eine CVI? Die Folgen eines dauerhaft gestörten Rückflusses in den Beinvenen, in der CEAP-Einteilung die Stufen C3 bis C6: Schwellung, Hautveränderungen, offenes Bein.
  • Wie häufig? In der Bonner Venenstudie hatten jede fünfte Frau und jeder sechste Mann eine CVI.
  • Ursache: meist undichte Venenklappen bei Krampfadern, manchmal die Folge einer früheren Thrombose.
  • Behandlung: Kompression, Bewegung, Hochlagern, Hautpflege und, wo sinnvoll, die Behandlung der Krampfadern.
  • Offenes Bein: Kompression beschleunigt laut Leitlinie die Heilung, ein Eingriff an den oberflächlichen Venen soll früh angestrebt werden.
  • Notfall: Plötzlich einseitig geschwollenes Bein? Sofort ärztlich abklären. Bei Atemnot oder Brustschmerz die 112.

Was ist eine chronische Veneninsuffizienz?

Die Beinvenen bringen das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurück. Venenklappen verhindern dabei wie Ventile den Rückfluss, die Wadenmuskeln pressen beim Gehen die tiefen Venen zusammen. Schließen die Klappen nicht mehr richtig oder ist eine Vene nach einer Thrombose geschädigt, steigt der Druck in den Venen dauerhaft. Mit der Zeit tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus, später verändert sich die Haut.

Fachleute ordnen das nach der internationalen CEAP-Klassifikation ein. Eine CVI umfasst die Stufen C3 bis C6:

StufeWas sichtbar ist
C3Schwellung (Ödem) an Knöchel und Unterschenkel
C4Hautveränderungen: bräunliche Verfärbung, Ekzem, Verhärtung, Kranz feiner Venen am Fußrand
C5abgeheiltes offenes Bein
C6offenes Bein (Ulcus cruris venosum)

Die Stufen C0 bis C2, also keine sichtbaren Zeichen, Besenreiser und Krampfadern, gehören noch nicht zur CVI. Die ganze Einteilung und die Frühzeichen erklärt der Beitrag Chronische Veneninsuffizienz: die Frühzeichen erkennen.

Ursachen

  • Krampfadern: In der Bonner Venenstudie entwickelten nach 6,7 Jahren 19,8 Prozent der Menschen mit Krampfadern außerhalb der großen Stammvenen und 31,8 Prozent der Menschen mit Krampfadern der großen Stammvenen eine CVI.
  • Eine frühere tiefe Venenthrombose: Laut Leitlinie entwickelt sich danach in etwa 30 Prozent der Fälle ein postthrombotisches Syndrom mit Schwellung und Hautveränderungen. Mehr im Ratgeber zur tiefen Venenthrombose.
  • Risikofaktoren für Krampfadern: höheres Alter, weibliches Geschlecht, Schwangerschaften, Krampfadern in der Familie, starkes Übergewicht und Berufe mit viel Stehen.

Diagnose

Die Standarduntersuchung ist der Duplex-Ultraschall. Er zeigt, welche Venen undicht sind, wo das Blut zurückfließt und ob die tiefen Venen frei sind. Davon hängt ab, welche Behandlung infrage kommt. Bei einem offenen Bein gehören laut Leitlinie eine ausführliche Befragung und eine körperliche Untersuchung zur Grundlage der Diagnostik, und ein begleitendes Lymphödem soll mit beachtet werden.

Behandlung: was laut Leitlinie hilft

Medizinische Kompression

Kompression ist der Grundbaustein der CVI-Behandlung.

  • Schwellung und Beschwerden: Die aktuelle Kompressions-Leitlinie (AWMF 037-005, 2026) beschreibt, dass medizinische Kompressionsstrümpfe venöse Beschwerden, Schwellungen und die Lebensqualität bei chronischen Venenerkrankungen verbessern können, auch schon mit niedrigem Druck. Wo es möglich ist, wirkt die Behandlung der Krampfadern laut Leitlinie allerdings besser als Kompression allein.
  • Hautveränderungen: Laut Kompressions-Leitlinie zeigte eine Studie, dass sich eine Verhärtung der Haut (Lipodermatosklerose) bei schwerer CVI unter Kompression bessern kann.
  • Offenes Bein: Die Ulcus-cruris-Leitlinie (AWMF 037-009, 2024) nennt Kompression die konservative Standardtherapie, sie beschleunigt die Abheilung (Empfehlung 16). Nach einer ersten Entstauung mit Kompressionsverbänden sollte laut Leitlinie auf zweilagige Ulkus-Strumpfsysteme gewechselt werden (Empfehlung 22).
  • Nach dem Abheilen: Den Betroffenen soll das Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe empfohlen werden (Empfehlung 50), um einen Rückfall zu verhindern (Empfehlung 51).

Welche Klasse und welche Art Kompression Du brauchst, legt Deine Ärztin oder Dein Arzt fest. Vorher müssen Gegenanzeigen ausgeschlossen werden, etwa eine schwere Durchblutungsstörung der Arterien oder eine schwere Herzschwäche, denn dann kann Kompression schaden (Empfehlung 17). Mit Verordnung bekommst Du die Strümpfe im Sanitätshaus und zahlst als gesetzlich versicherte Person in der Regel nur die gesetzliche Zuzahlung, mehr in Kompressionsstrümpfe auf Rezept. Fällt das Anziehen schwer, sollten laut Leitlinie geeignete An- und Ausziehhilfen verordnet werden (Empfehlung 68).

Bewegung

Kompression wirkt laut Leitlinie erst vollständig, wenn die Muskel- und Gelenkpumpen arbeiten. Menschen mit offenem Bein sollen deshalb zu regelmäßiger Bewegung angeleitet werden, etwa zu Gehübungen und Fußgymnastik (Empfehlung 27), und auch nach dem Abheilen aktiv bleiben (Empfehlung 55). Ein eingeschränkt bewegliches Sprunggelenk gilt laut Leitlinie als Risikofaktor dafür, dass ein offenes Bein chronisch verläuft. Ist es eingeschränkt, soll es unter fortgesetzter Kompression mobilisiert werden (Empfehlung 28). Übungen findest Du unter Venengymnastik.

Die Ursache behandeln: Eingriff an den Krampfadern

Sind undichte oberflächliche Venen die Ursache, lässt sich der krankhafte Rückfluss ausschalten, durch Hitze von innen, Verödung oder Operation. Die Ulcus-cruris-Leitlinie empfiehlt:

  • Bei einem offenen Bein soll früh eine Behandlung des Rückflusses in den oberflächlichen Venen angestrebt werden, abgewogen nach Nutzen und Risiko und unter Berücksichtigung Deiner Wünsche, damit die Wunde schneller heilt (Empfehlung 31).
  • Nach dem Abheilen soll eine Schwäche der oberflächlichen Venen behandelt werden, um das Rückfallrisiko zu senken, auch wenn zusätzlich die tiefen Venen undicht sind (Empfehlung 52).

Welche Verfahren es gibt, steht im Ratgeber Krampfadern.

Hautpflege

Bei einem offenen Bein soll laut Leitlinie eine individuell angepasste Hautpflege mit hypoallergenen Produkten empfohlen werden (Empfehlung 62), weil Kontaktallergien auf Pflege- und Wundprodukte vorkommen. Juckende, gerötete oder nässende Stellen an den Unterschenkeln gehören in die Sprechstunde.

Gewicht

Bei Adipositas soll nach einem abgeheilten offenen Bein eine Normalisierung des Gewichts empfohlen werden, um einen Rückfall zu verhindern (Empfehlung 56).

Und Venenmittel?

Für sogenannte Venenmittel zeigt eine Cochrane-Übersicht (2020), dass sie Schwellungen wahrscheinlich leicht verringern, an der Lebensqualität aber kaum etwas ändern und etwas häufiger Nebenwirkungen haben als Placebo. Die Übersicht prüfte vor allem Arzneimittel. Für Nahrungsergänzungsmittel ist ein Nutzen nicht belegt. Mehr dazu in Rutin und Steinklee für die Venen: was ist belegt?.

Was Du selbst tun kannst

  1. Kompression konsequent tragen, wenn sie Dir verordnet wurde, auch im Sommer. Tipps dazu in Kompressionsstrümpfe im Sommer.
  2. Viel bewegen: Gehen, Treppensteigen, zwischendurch auf die Zehenspitzen wippen.
  3. Beine hochlegen, mehrmals am Tag.
  4. Haut beobachten und pflegen: Verfärbungen, Verhärtungen, Juckreiz oder kleine Wunden an den Unterschenkeln früh ärztlich zeigen.
  5. Krampfadern abklären lassen, wenn schon Zeichen einer CVI bestehen.

Wann zum Arzt?

SituationWas tun
Atemnot, Brustschmerz oder Herzrasen, besonders mit geschwollenem BeinSofort 112, Verdacht auf Lungenembolie
Ein Bein schwillt plötzlich oder nur einseitig anSofort ärztlich abklären, Verdacht auf Thrombose
Bein gerötet, überwärmt und schmerzhaft, mit oder ohne FieberSofort ärztlich abklären, Verdacht auf Thrombose oder Wundrose (Erysipel)
Bein plötzlich kalt, blass oder taubSofort ärztlich abklären, bei starken Schmerzen 112
Wunde am Unterschenkel, die nicht heiltRasch ärztlich abklären, möglicher Beginn eines offenen Beins
Haut am Unterschenkel verfärbt, verhärtet oder jucktTermin bei einer Venenärztin oder einem Venenarzt
Knöchel schwellen immer wieder anTermin in der Hausarztpraxis oder Venenpraxis

Anhaltende Schwellungen beider Beine können auch vom Herzen oder den Nieren kommen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin empfiehlt sich dann zuerst eine hausärztliche Abklärung.

Häufige Fragen

Ist eine chronische Veneninsuffizienz heilbar? Die Neigung zu undichten Venen lässt sich nicht heilen. Wenn Krampfadern die Ursache sind, kann ein Eingriff den krankhaften Rückfluss aber ausschalten, und Kompression, Bewegung und Hautpflege halten die Beschwerden und Hautveränderungen in Schach. Nach einem offenen Bein senken Kompression und die Behandlung der Krampfadern laut Leitlinie das Rückfallrisiko.

Wird eine CVI immer schlimmer? Nicht zwangsläufig, aber das Risiko ist real. Eine CVI kann über Jahre voranschreiten, muss es aber nicht. In der Bonner Venenstudie hatten 0,7 Prozent der Bevölkerung ein offenes oder abgeheiltes offenes Bein, bei den 70- bis 79-Jährigen 2,7 Prozent. Bei bekannter CVI liegt das Risiko einer Verschlechterung laut Leitlinie bei etwa 4,3 Prozent pro Jahr. Kompression, Bewegung und die Behandlung der Krampfadern setzen genau hier an.

Muss ich Kompressionsstrümpfe ein Leben lang tragen? Das entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt nach Stadium und Verlauf. Nach einem abgeheilten offenen Bein empfiehlt die Leitlinie, weiter medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen, um einen Rückfall zu verhindern.

Welche Kompressionsklasse brauche ich bei CVI? Das legt Deine Ärztin oder Dein Arzt fest. Laut Kompressions-Leitlinie lassen sich Beschwerden und Schwellungen auch schon mit niedrigem Druck verbessern. Was die Klassen bedeuten, erklärt Kompressionsklasse 1 oder 2.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung? Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es auf ärztliche Verordnung. Als gesetzlich versicherte Person zahlst Du dann in der Regel nur die gesetzliche Zuzahlung. Ob die Kasse einen bestimmten Eingriff an den Krampfadern übernimmt, klärst Du am besten vorher mit Praxis und Kasse.

Darf ich mit CVI Sport machen? Ja, Bewegung gehört laut Leitlinie zur Behandlung. Gehen, Radfahren und Übungen für die Waden und das Sprunggelenk unterstützen die Muskelpumpe. Trägst Du Kompression, trag sie auch dabei, wenn Deine Ärztin oder Dein Arzt nichts anderes sagt.

Wie LEVANA Dich begleitet

LEVANA stellt keine Diagnose, das bleibt Sache Deiner Ärztin oder Deines Arztes. Der kostenlose LEVANA Leg Check™ hilft Dir einzuordnen, ob Du Deine Beine abklären lassen solltest. Im Alltag unterstützt Dich die App mit Erinnerungen an Kompression und Bewegung, Übungen für die Wadenmuskeln und Wissen zur Hautpflege.

Quellen

Alle abgerufen am 6. Oktober 2026.

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Haftungsausschluss

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei einem plötzlich geschwollenen Bein lass Dich sofort untersuchen, bei Atemnot oder Brustschmerz wähle die 112.

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