Beim Restless-Legs-Syndrom (RLS) haben die Beine in Ruhe einen starken Drang, sich zu bewegen, meist mit Kribbeln, Ziehen oder Unruhe tief in den Waden. Die Beschwerden kommen vor allem abends und nachts im Liegen oder Sitzen und lassen nach, sobald Du aufstehst und gehst. Etwa 3 bis 10 Prozent der Menschen in Europa haben RLS, Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Der wichtigste erste Schritt ist laut Leitlinie, die Eisenwerte zu prüfen: Bei einem Ferritin von 75 µg/l oder darunter sollte laut Leitlinie zuerst ärztlich Eisen gegeben werden, bevor andere Medikamente infrage kommen.
Stand: Oktober 2026. Die Quellen sind unten verlinkt.
Auf einen Blick
- Was ist RLS? Eine neurologische Bewegungsstörung mit Bewegungsdrang und Missempfindungen in den Beinen, in Ruhe, abends und nachts.
- Wie häufig? 3 bis 10 Prozent der Menschen in Europa und Nordamerika, bei etwa 1,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland so stark, dass eine Behandlung infrage kommt.
- Ursache: nicht ganz geklärt, Veranlagung, Eisenstoffwechsel und Dopamin spielen eine Rolle. Manche Erkrankungen und Medikamente können RLS verstärken.
- Diagnose: im Gespräch anhand von fünf Kriterien, dazu Blutwerte für Eisen, Niere und Schilddrüse.
- Behandlung: Auslöser behandeln, bei niedrigem Ferritin Eisen, bei starken Beschwerden weitere Medikamente nach ärztlicher Abwägung.
- Selbst tun: abends Kaffee, Nikotin und Alkohol meiden, Beine massieren oder abduschen, ruhige Schlafumgebung.
Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
RLS ist eine neurologische, sensomotorische Bewegungsstörung. Betroffene beschreiben ein unangenehmes Gefühl tief in den Waden, etwa Unruhe, Ziehen, Druck oder Spannung, und einen starken Drang, die Beine zu bewegen. Selten sind auch die Oberschenkel oder die Arme betroffen. Weil die Beschwerden in Ruhe beginnen und abends am stärksten sind, stören sie vor allem das Einschlafen.
Viele Menschen mit RLS bewegen im Schlaf zudem ungewollt und wiederholt die Beine, Fachleute sprechen von periodischen Beinbewegungen im Schlaf (PLMS). Dadurch schlafen sie schlechter durch und sind tagsüber oft erschöpft, gereizt und unkonzentriert.
Die fünf Diagnosekriterien
Die Diagnose wird laut Leitlinie im Gespräch gestellt, wenn alle fünf Kriterien erfüllt sind:
- Drang, die Beine zu bewegen, meist mit Missempfindungen oder einem Unruhegefühl in den Beinen.
- Beginn oder Verschlechterung in Ruhe, etwa im Liegen oder Sitzen.
- Besserung durch Bewegung, etwa Gehen oder Strecken, zumindest solange die Bewegung anhält.
- Abends oder nachts treten die Beschwerden auf oder sind dann stärker.
- Keine andere Erklärung, zum Beispiel Muskelschmerzen, Venenstau, Beinschwellungen, Arthritis, Wadenkrämpfe oder unbequemes Sitzen.
Ein Fragebogen allein reicht für die Diagnose nicht. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist nicht zwingend nötig, ist aber angeraten, wenn Atemaussetzer im Schlaf ausgeschlossen werden sollen.
Was RLS nicht ist: ähnliche Beschwerden
Mehrere Erkrankungen können sich ähnlich anfühlen. Die Leitlinie nennt unter anderem:
| Erkrankung | Woran man den Unterschied erkennt |
|---|---|
| Schaufensterkrankheit | Schmerz beim Gehen, besser beim Stehenbleiben, kein Bewegungsdrang, keine Abendbetonung. Mehr unter Schaufensterkrankheit |
| Krampfadern | Beschwerden beim langen Stehen, besser beim Hochlegen. Mehr unter Krampfadern |
| Polyneuropathie | Kribbeln, Taubheit oder Brennen oberflächlich in der Haut, oft sockenförmig an den Füßen, auch tagsüber, Bewegung bringt keine anhaltende Erleichterung |
| Unbequeme Sitzposition | ziehende Schmerzen nach langem Sitzen in derselben Haltung, besser durch einfachen Positionswechsel |
| Arthrose | Beschwerden vor allem an den Gelenken, stärker bei Belastung, nicht abends betont |
| Nächtliche Wadenkrämpfe | schmerzhaft verhärteter Muskel, kein Bewegungsdrang. Mehr in der Frage unten |
| Fußwippen aus Gewohnheit | rhythmisches Wippen bei Langeweile oder Anspannung, ohne Missempfindungen |
Ursachen und was RLS verstärken kann
Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Laut Leitlinie spielen der Dopamin- und der Eisenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Oft ist im Gehirn zu wenig Eisen verfügbar, obwohl im Blut kein Eisenmangel auffällt. Bei frühem Beginn liegt RLS häufig in der Familie.
Die frühere Einteilung in primäres und sekundäres RLS verwendet die Leitlinie nicht mehr. Stattdessen sollen alle Begleiterkrankungen und Faktoren, die RLS verstärken können, früh erkannt und behandelt werden. Dazu gehören:
- Eisenmangel
- Schwangerschaft: RLS in der Schwangerschaft verschwindet laut IQWiG nach der Geburt meist von selbst.
- Nierenschwäche und Dialyse
- Schilddrüsenfunktionsstörungen, sie können RLS vermutlich verschlechtern
- neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose
- bestimmte Medikamente: laut Leitlinie vor allem Neuroleptika, außerdem manche Antidepressiva; in Einzelberichten auch Antihistaminika und Mittel gegen Übelkeit. Die meisten Menschen mit RLS und Depression profitieren aber von ihrer antidepressiven Behandlung
Setz ein Medikament nicht selbst ab. Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, ob es ein anderes gibt, das RLS weniger verstärkt.
Diagnose
Die ersten Untersuchungen sind meist in der Hausarztpraxis möglich, für die genaue Abklärung geht es oft in die Neurologie oder Schlafmedizin. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Beschwerden, anderen Erkrankungen und Medikamenten. Laut Leitlinie sollen bei allen Menschen mit RLS die Eisenwerte bestimmt werden, also Ferritin, Transferrinsättigung, Eisen und Eisenbindungskapazität, dazu das Blutbild. Das gilt bei der Diagnose, zu Beginn einer Behandlung und immer dann, wenn die Beschwerden später schlimmer werden. Laut IQWiG werden außerdem Nieren- und Schilddrüsenwerte bestimmt.
Behandlung
Ob eine Behandlung mit Medikamenten nötig ist, richtet sich laut Leitlinie danach, wie stark RLS den Schlaf und die Lebensqualität beeinträchtigt. Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung sollte so spät wie möglich beginnen.
Schritt 1: Auslöser behandeln
Begleiterkrankungen wie Eisenmangel, Nieren- oder Schilddrüsenprobleme werden zuerst behandelt. Medikamente, die RLS verstärken können, sollen erfragt und wenn möglich umgestellt werden.
Schritt 2: Eisen bei niedrigem Ferritin
Liegt das Ferritin bei 75 µg/l oder darunter, sollte laut Leitlinie bei leichtem RLS zuerst Eisen zum Einnehmen gegeben werden. Bei mittelschwerem bis schwerem RLS oder wenn Eisentabletten nicht vertragen werden, sollte laut Leitlinie eine Eiseninfusion gegeben werden, dann auch bei einer Transferrinsättigung unter 20 Prozent. Nimm Eisen nicht auf eigene Faust ein, sondern nur nach Messung der Eisenwerte und in Absprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Schritt 3: weitere Medikamente bei starken Beschwerden
Reicht Eisen nicht oder sind die Eisenwerte normal, kommen verschreibungspflichtige Medikamente infrage. Laut Leitlinie sollte die Behandlung mit einem Dopaminagonisten, der die Wirkung des Botenstoffs Dopamin nachahmt, oder mit einem Gabapentinoid beginnen. Zugelassen sind in Deutschland vor allem die Dopaminagonisten, Gabapentinoide werden außerhalb der Zulassung eingesetzt. Helfen diese Mittel bei mittelschwerem bis schwerem RLS nicht ausreichend oder kommt es zu einer Augmentation, kommen in zweiter Linie Opioide infrage. Eine retardierte Opioid-Kombination ist dafür in Deutschland zugelassen, andere werden außerhalb der Zulassung eingesetzt. Welche Wirkstoffe und welche Dosis, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, bei schwierigen Verläufen am besten in der Neurologie oder Schlafmedizin.
Augmentation: Unter Medikamenten, die auf Dopamin wirken, können sich die Beschwerden mit der Zeit sogar verstärken. Sie beginnen dann früher am Tag, werden stärker oder breiten sich auf andere Körperteile aus. Das passiert laut IQWiG vor allem bei zu hoher Dosis. Um das zu vermeiden, empfiehlt die Leitlinie, entweder primär ein Gabapentinoid einzusetzen oder Dopamin-Medikamente so niedrig wie möglich zu dosieren. Kommt es doch dazu, sollen zuerst wieder die Eisenwerte geprüft werden. Fällt Dir so etwas auf, sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und erhöhe die Dosis nicht selbst.
Was laut Leitlinie nicht empfohlen wird
Magnesium, Cannabinoide und Benzodiazepine können zur Behandlung von RLS nicht empfohlen werden. Für Akupunktur, pneumatische Kompression, eine Laserbehandlung der Venen (endovaskuläre Laserablation), Kältetherapie und pflanzliche Mittel fehlen Daten, sie werden derzeit ebenfalls nicht empfohlen.
Ohne Medikamente
Nicht medikamentöse Verfahren können allein oder zusätzlich angewendet werden. Hinweise auf einen Nutzen gibt es laut Leitlinie für Bewegungstraining, zum Beispiel Yoga oder Radfahren während der Dialyse, für Infrarotlicht und für schwachen Gleichstrom, der über die Haut am Rücken gegeben wird (transkutane spinale Gleichstromstimulation). Wie hilfreich sie sind, lässt sich laut IQWiG aber noch nicht gut beurteilen.
Was Du selbst tun kannst
Das IQWiG nennt Dinge, die vielen Menschen mit RLS im Alltag guttun:
- Hausmittel: die Beine massieren, bürsten oder abduschen, warme Fußbäder, Wickel oder Umschläge.
- Genussmittel meiden, vor allem abends: Kaffee, Nikotin und Alkohol.
- Abends zur Ruhe kommen: kein intensiver Sport, wenig Bildschirm und Aufregung vor dem Schlafen.
- Ruhige Schlafumgebung: angenehme Temperatur und Dunkelheit, feste Schlafzeiten.
- Bewegung und Entspannung: die Beine dehnen, Gymnastik oder Entspannungsübungen, dazu eisenreich essen.
Und bevor Du Eisen oder andere Mittel einnimmst: Lass zuerst Deine Eisenwerte bestimmen.
Wann zum Arzt?
- wenn unruhige Beine Dich regelmäßig am Einschlafen hindern oder Du tagsüber erschöpft bist
- wenn die Beschwerden früher am Tag beginnen, stärker werden oder sich auf die Arme ausbreiten, besonders unter Medikamenten
- wenn Du in der Schwangerschaft starke Beschwerden hast
- wenn Du Medikamente einnimmst und vermutest, dass sie die Beschwerden verstärken
Hast Du dagegen ein plötzlich geschwollenes, schmerzendes Bein, ist das kein RLS: Lass es sofort ärztlich abklären, es kann eine Thrombose sein. Bei Atemnot oder Brustschmerz wähle die 112.
Häufige Fragen
Was hilft sofort gegen Restless Legs? Aufstehen und gehen lindert die Beschwerden, solange Du Dich bewegst. Vielen helfen außerdem Massieren, Abduschen der Beine oder ein warmes Fußbad. Dauerhaft hilft das aber nicht, bei regelmäßigen Beschwerden lass die Eisenwerte bestimmen und die Ursache abklären.
Ist Eisenmangel die Ursache von RLS? Nicht immer, aber oft spielt Eisen eine Rolle. Häufig ist im Gehirn zu wenig Eisen verfügbar, auch wenn im Blut kein Mangel auffällt. Deshalb sollen laut Leitlinie bei allen Menschen mit RLS die Eisenwerte bestimmt werden, und bei einem Ferritin von 75 µg/l oder darunter sollte zuerst ärztlich Eisen gegeben werden.
Hilft Magnesium gegen Restless Legs? Laut Leitlinie nicht: Magnesium kann zur Behandlung von RLS nicht empfohlen werden. Gleiches gilt für Cannabinoide und Benzodiazepine.
Ist RLS gefährlich? RLS selbst ist nicht lebensbedrohlich, kann den Schlaf und die Lebensqualität aber stark beeinträchtigen. Manche Begleiterkrankungen, etwa ein Eisenmangel oder eine Nierenschwäche, sollten behandelt werden.
Verschwindet RLS in der Schwangerschaft wieder? Meist ja: Laut IQWiG gehen die Beschwerden nach der Geburt meist von selbst weg. Auch in der Schwangerschaft sollen laut Leitlinie die Eisenwerte geprüft und bei einem Ferritin von 75 µg/l oder darunter Eisen gegeben werden. Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache, denn viele sind in der Schwangerschaft nicht geeignet.
Sind Restless Legs und Wadenkrämpfe das Gleiche? Nein. Ein Wadenkrampf ist eine schmerzhafte, verhärtete Muskelanspannung. Bei RLS steht der Drang im Vordergrund, die Beine zu bewegen, ohne dass sich der Muskel verkrampft. Die Leitlinie nennt Wadenkrämpfe ausdrücklich als etwas, das von RLS abgegrenzt werden muss.
Was ist Augmentation? Eine Verschlechterung unter Medikamenten, die auf Dopamin wirken: Die Beschwerden beginnen früher am Tag, werden stärker oder breiten sich aus. Das passiert vor allem bei zu hoher Dosis. Dann solltest Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt sprechen und die Dosis nicht selbst erhöhen.
Wie LEVANA Dich begleitet
LEVANA stellt keine Diagnose und ersetzt keine neurologische Abklärung. Im Alltag kann Dich die App mit Erinnerungen an Bewegung und mit Übungen für die Beine begleiten.
Quellen
Alle abgerufen am 6. Oktober 2026.
- AWMF S2k-Leitlinie Restless Legs Syndrom (030-081), Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Version 5.5, gültig bis 24.06.2027: Diagnosekriterien, Diagnostik, Begleiterkrankungen (Tabelle 2), Differenzialdiagnosen (Tabelle 3), verstärkende Medikamente, Therapie, Augmentation
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Restless-Legs-Syndrom: Beschwerden, Häufigkeit, Verlauf, Untersuchungen, Behandlung, Alltagstipps
- AWMF, Patientenleitlinie Restless Legs Syndrom, 1. Auflage, August 2023
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Haftungsausschluss
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende Dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
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